Lasst uns den Kampf für die Freiheit von Eva und Ahmet verstärken!
Die Journalist:innen Eva Maria Michelmann und Ahmet Polad wurden am 18. Januar in Raqqa, während sie ihrer Arbeit nachgingen, im Jugendzentrum, in dem sie Zuflucht gesucht hatten, von IS-Banden sowie von offiziellen Kräften, die dem in Damaskus an die Macht gebrachten HTS-Führer Colani (Ahmed al-Sharaa) unterstehen, eingeschlossen. Durch ein Abkommen zwischen den Colani-Kräften und der Demokratischen Verwaltung von Nord- und Ostsyrien (DAANES; auch als Rojava bekannt) wurde die Evakuierung der Zivilist:innen im Gebäude ermöglicht. Die Zivilist:innen wurden zunächst zu den YPG-Kräften (Volksverteidigungseinheiten) evakuiert, die unter der Kontrolle der QSD (Syrisch-demokratische Kräfte; militärischer Arm der DAANES) stehen und das Gefängnis Al-Aktan bewachten, in dem IS-Mitglieder inhaftiert waren. Aufgrund intensiver Angriffe auf das Gefängnis zogen sich die YPG-Kräfte anschließend gemeinsam mit den Zivilist:innen nach Kobanê zurück. Von Eva und Ahmet fehlte jedoch jede Spur. Als sich herausstellte, dass Eva und Ahmet nicht unter den Zivilist:innen waren, die Kobanê erreicht hatten, wurde die Öffentlichkeit am 28. Februar durch eine Erklärung informiert.
Die in Europa entstandene Initiative „Wo sind Eva und Ahmet?“ wurde gemeinsam mit Familien und Anwält:innen aktiv, um Eva und Ahmet zu finden. Die Aufrufe zu Aktionen fanden breite Resonanz. Die Frage „Wo sind Eva und Ahmet?“ hallte auf Straßen, in Verkehrsmitteln, Schulen, bei Veranstaltungen und in sozialen Medien wider und wurde schnell zum Thema in den Medien. Durch die Berichterstattung der Presse, das Engagement von dutzenden Parlamentarier:innen und die Bemühungen internationaler Journalistenschutzorganisationen gelang es, die Frage „Wo sind Eva und Ahmet?“ auf die öffentliche Agenda zu setzen.
Durch Zeugenaussagen und Beweise, die im Rahmen der Kampagne gesammelt wurden, konnte nachgewiesen werden, dass Eva und Ahmet am 18. Januar in Raqqa von Kräften der syrischen Übergangsregierung entführt wurden, die unter der Leitung des HTS-Mitglieds Muhamed Abdulqani, dem Leiter der inneren Sicherheit von Aleppo, standen und dass sie später in einem Gefängnis in Aleppo festgehalten wurden. Kurz gesagt: Durch die Stärke der Kampagne und mit eigenen Mitteln konnten wir herausfinden, wo sich Eva und Ahmet befinden. Dennoch erkannte der syrische Staat erst am 23. April – unter öffentlichem Druck – durch den Besuch einer Angehörigen der deutschen Botschaft bei Eva Maria Michelmann in Damaskus an, dass sie sich in ihrer Gewalt befindet. Bis dahin hieß es stets: „Wir wissen nichts von solchen Personen.“ Dass sich auch Ahmet in ihrer Gewalt befindet, wurde schließlich am 30. April durch eine Presseerklärung des Informationsministers der Regierung in Damaskus bestätigt.

Der Kampf, den Aufenthaltsort der Journalist:innen Eva Michelmann und Ahmet Polad zu ermitteln, ist das Ergebnis der gemeinsamen Anstrengungen tausender Freiwilliger, ihrer Genoss:innen, Familien und Anwält:innen, Journalist:innen und Journalistenorganisationen, engagierter Parlamentarier:innen, Künstler:innen, Autor:innen und Menschenrechtsverteidiger:innen, die die Initiative unterstützt und aktiviert haben. Dass die syrische Übergangsregierung bis zum 23. April im Fall von Eva Michelmann und bis zum 30. April im Fall von Ahmet Polad (Mehmet Nizam Aslan) ihre Gefangenschaft nicht anerkannt hat, zeigt, wie skrupellos sie beim Verschwindenlassen von Menschen, der Verweigerung und Leugnung ihrer Inhaftierung vorgeht, internationales Recht verletzt, den Zugang für Familien und Anwält:innen verhindert und Folter anwendet.
Die Angriffe und Massaker an Alevit:innen, Drus:innen und Kurd:innen, das Verschwinden tausender Menschen sowie die Proteste in den Städten Rojavas für die Freilassung aller Gefangenen zeigen erneut, dass diejenigen, die in Damaskus an die Macht gebracht wurden, ihre massenmörderische Mentalität nicht abgelegt haben – auch wenn sie Anzüge tragen und Krawatten anlegen.
Der deutsche Staat, der diesen Kräften durch die Erklärung des Berliner Regierungsviertels zur Verbotszone und durch einen Empfang mit roten Teppichen und staatlichen Protokollen begegnet, zeigt durch sein Verhalten, wie gering sein Interesse ist: Er macht den Fall seiner eigenen Staatsbürgerin Eva nicht einmal beim al-Sharaa-Besuch in Berlin zum Thema, antwortet auf Nachfragen stets mit „Wir kümmern uns intensiv um alles und tun, was nötig ist“, legt jedoch keine konkreten Maßnahmen offen und hat außer einem einzigen Besuch bei Eva – der erst nach monatelangem öffentlichen Druck erfolgte – keine weiteren Schritte unternommen.
Der Kampf der Initiative ist in die zweite Phase übergegangen
Nachdem wir den Aufenthaltsort von Eva und Ahmet aufgedeckt haben, sind wir in die zweite Phase des Kampfes eingetreten. Diese führen wir unter dem Motto „Freiheit für Eva und Ahmet“. Abgesehen von einem einmaligen Besuch Evas durch die deutsche Botschaftsvertreterin konnte bislang kein weiterer Kontakt zu Eva und Ahmet hergestellt werden. Anwält:innen, Familien oder internationale Institutionen konnten sie nicht besuchen. Auch auf Anträge, gemeinsam mit den Familien eine Delegation zu entsenden, reagiert das Regime in Damaskus nicht. Bis heute wissen wir nicht genau, in welchen Gefängnissen sie sich befinden. Zeugenaussagen zeigen, dass Eva und Ahmet in Isolation gehalten und gefoltert werden, dass Ahmet verletzt ist und dass sich der Gesundheitszustand beider verschlechtert hat. Wir sind ernsthaft um ihr Leben besorgt.
Das Regime in Damaskus erklärt, die Journalist:innen Eva und Ahmet würden vor Gericht gestellt werden, mit dem Ziel, ihnen schwere Strafen aufzuerlegen und sie lange Zeit in Haft und Isolation zu halten. Mit seinen Erklärungen versucht es, die eigene Tat zu vertuschen, nachdem es auf frischer Tat ertappt wurde. Es will sich dafür rächen, dass Eva und Ahmet durch ihre Recherchen sowie durch Berichte und Fernsehprogramme die Massaker dschihadistischer Gruppen in Syrien, das Wiederauftreten von IS-Zellen, Entführungen und Frauenfeindlichkeit öffentlich gemacht und sich zur Rojava-Revolution bekannt haben. Ihre journalistische Tätigkeit soll bestraft werden.
Wir müssen den Kampf ausweiten, um die Freilassung von Eva und Ahmet zu erreichen. Die Initiative führt diesen Kampf – wie bisher – auch für die Befreiung tausender Menschen in Syrien, von denen jede Spur fehlt.
Die Freiheit von Eva und Ahmet wird durch eine noch größere Verbreitung, Intensität und Kontinuität des Kampfes erreicht werden. Wir werden die Parole „Freiheit für Eva und Ahmet“ auf Straßen, in öffentlichen Verkehrsmitteln, in Schulen, an Arbeitsplätzen, auf Mauern, bei Versammlungen, Festivals, in den Medien und in der Diplomatie noch stärker verbreiten und lauter machen. Wir werden sie in mehr Städte, mehr Länder und zu mehr Journalist:innen, Fernsehsendern, Politiker:innen und Institutionen tragen. Gestützt auf die Erfahrungen und Erfolge der ersten Phase müssen wir unsere Anstrengungen verstärken. Wir müssen den Willen zeigen, die Parole „Freiheit für Eva und Ahmet“ zu Hunderttausenden, zu Millionen zu tragen – und das ist möglich.

Vor syrischen Botschaften, Institutionen der EU und der UN, deutschen Auslandsvertretungen, Medienhäusern und Parlamenten muss unser Slogan unaufhörlich widerhallen. Was den deutschen Staat und die Institutionen der EU dazu bewegen wird, ihre Verantwortung wahrzunehmen, ist der geschaffene und weiter zu verstärkende öffentliche Druck. Was das Regime in Damaskus dazu zwingen wird, Eva und Ahmet freizulassen, ist eine kontinuierliche und noch stärker geführte Kampagne.
Die Initiative startet ab dem 13. Mai in Köln eine Solidaritätsmahnwache für die Freiheit für Eva und Ahmet. Die Mahnwachen werden vorerst an den Wochentagen stattfinden.
Die ersten drei Tagen wird die Mahnwache an folgenden Zeiten und Ort stattfinden
– Mittwoch, 13. Mai — 16:00–19:00 Uhr
– Donnerstag, 14. Mai — 16:00–19:00 Uhr
– Freitag, 15. Mai — 14:00–17:00 Uhr
-> Ort: Alter Markt – direkt neben dem Rathaus Köln
Die Kampagne „Freiheit für Eva und Ahmet“ wird entschlossen fortgesetzt, bis Eva und Ahmet frei sind. Wir rufen alle, die für Freiheit und Menschenrechte eintreten, dazu auf, Teil dieser Kampagne zu werden und sie zu unterstützen.
Initiative „Freiheit für Eva und Ahmet“
13.05.2026

